Mehrtäterschaft - Jugendgewalt

Zusammenarbeit mit der Jugendanwaltschaft

Es soll ein Instrumentarium entwickelt werden, das es erlaubt jugendliche Tätergruppen in einem frühen Stadium der Delinquenz zu erfassen. Den verschiedenen Ansätzen war bis anhin wenig Erfolg hinsichtlich Progostik beschieden. Das heisst, die Vorhersage, ob ein bestimmtes psychosoziales Profil tatsächlich zu einem Mehrfachtäter führt, ist weitgehend ungelöst.

Das liegt teils daran, dass es unterschiedliche Ansätze zu deren Erfassung gibt und in der Regel nur geringe Fallzahlen zur Verfügung stehen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Jugendlichen oft einen Migrationshintergrund haben und deshalb auch über ungenügende Sprachkenntnisse verfügen, so dass Fragebogen zur Erfassung von problematischem Verhalten in mehreren Sprachen vorliegen sollten. 

Dieses Instrumentarium wird auf Brauchbarkeit, Alltagstauglichkeit und prognostische Validität geprüft.

Psychosoziale Diagnostik

Zusammenarbeit mit Suchtfachstellen und Jugendrichter 

In einem Modellversuch soll die Zusammenarbeit zwischen den Jugendrichtern und den Suchtberatungsstellen hinsichtlich Cannabis bezogener Massnahmen untersucht und die Palette der Cannabis Interventionen in den Suchtberatungsstellen auf ihre Wirksamkeit geprüft werden.

In diesem Modellversuch sind zwei deutschsprachige und ein französisch sprechender Kanton eingebunden. Ziel dieses Pilotversuches ist die Optimierung der Cannabis bezogenen Interventionsentscheidungen für die Jugendrichter und die Wirksamkeitsprüfung aller Interventionen in diesem Bereich. Das Pilotprojekt ist als Lernmodell aufgezogen, indem alle beteiligen Partner ihre Informationen austauschen. Das ganze System lässt sich dadurch bei Bedarf laufend verbessern, wobei auch ein Rückmeldesystem von unserem Zentrum eine Rolle spielt. Dem Modellversuch ist eine Weiterbildung von mehreren Monaten vorgelagert, in welchem die Mitarbeiter/innen der Institutionen mit der psychosozialen Diagnostik und verschiedenen Formen von Interventionen wie realize it und VIVA vertraut gemacht werden.

KOPRAX

Das Ziel von KOPRAX (Kontrollierte Praxis) ist es, wissenschaftlich anerkannte Interventionen im Rahmen der Sekundärprävention in der Praxis zu implementieren, den Praxisaustausch zu fördern und die Qualität der Interventionen zu stützen. Die dazu verwendeten Strategien sind Fortbildung, Supervision und Evaluation.

Fortbildung: Fachleute erhalten ein Angebot, sich in Interventionsprogrammen fortzubilden. Prioritär werden Programme weitervermittelt, die von uns entwickelt oder evaluiert wurden.

Supervision: Die Supervision ist ein geeignetes Mittel, Fachleute in ihrer Arbeit zu unterstützen, und die Intervention im gegenseitigen Austausch zu kontrollieren. Der professionelle Praxisaustausch ermöglicht es, Erfahrungen mit dem Interventionsprogramm zu reflektieren und das Programm weiterzuentwickeln. Begleitend zur Fortbildung bieten wir in Zusammenarbeit mit weiteren Fachpersonen den Rahmen für Supervision und Praxisaustausch an.

Evaluation: Die Evaluation erlaubt es, die Wirkung der Intervention zu prüfen. Wir entwickelten dazu das notwendige Instrumentarium.

Das Zielpublikum: Das Projekt KOPRAX richtet sich an Institutionen und Fachpersonen, die im Bereich der Sekundärprävention mit Jugendlichen und  Erwachsenen arbeiten.

Dreipunkt-Erhebung

Evaluation in den Motivationssemester (SeMo)

Bei Eintritt und kurz vor dem Austritt aus den Motivationssemester (SeMo) füllen die Teilnehmer/innen online eine Reihe von Fragebogen aus, die Themen zur sozialen Situation, zum Befinden und zum Substanzkonsum beinhalten. Ein Jahr nach Austritt aus dem SeMo werden sie erneut befragt.

Die Studie sollte auf folgende Fragen eine Antwort geben:

  • Unterscheiden sich die SeMo bezogen auf ihre Entwicklungsleistungen bei den Jugendlichen (prä-post Vergleich)?
  • Führen die Entwicklungsleistungen zu einer unterschiedlichen Integrationsrate (Lehrstelle) bei den Jugendlichen? 
  • Lassen sich SeMo Charakteristiken aufzeigen, die die Integrationsrate der Jugendlichen verbessert?

Die Studie dürfte das Verständnis rund um die berufliche Integration der Jugendlichen deutlich verbessern. Das über die Evaluation erarbeitete Wissen erlaubt eine differenzierte Sicht hinsichtlich der erbrachten Integrationsleistungen der SeMo in Abhängigkeit ihrer unterschiedlichen Populationen.

PESS

Projet Expérimental Santé Scolaire

Im Februar 2005 haben wir von der Direktion für Gesundheit und Soziales (DGS) und der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport (DEKS) des Kantons Freiburg den Auftrag erhalten, ein neues Schulgesundheitskonzept zu entwickeln.

Um einen Überblick über das System Schule zu erhalten, haben wir in drei Erhebungswellen (2006, 2007, 2008) ausgewählte Primar- und Sekundarschüler/innen beider Sprachregionen befragt. Drei Jahre bilden die gesamte Entwicklung auf der Sekundarstufe ab. Damit lässt sich die Entwicklung von der ersten Oberstufe bis Ende Oberstufe nachzeichnen. Eine Lehrerbefragung werde ebenfalls durchgeführt. Ausserdem wurden kantonale Institutionen, die präventive Aktivitäten in den Schulen anbieten mittels Interview in die Befragung miteinbezogen.

Probeweise haben wir zwei unterschiedliche Interventionen in verschiedenen Schulen angeboten und auf ihre Wirksamkeit untersucht. Es handelt sich um eine Form der Früherfassung, die Lehrer/innen sensibilisieren sollte, Kinder und Jugendliche genauer hinsichtlich ihres Sozialverhaltens anzuschauen und dann Jugendliche mit Problemverhalten zu diagnostizieren. Eine zweite Intervention bestand darin, Lehr/innen in ein Entspannungs¬verfahren einzuführen. Die Lehrer/innen hatten dann die Aufgabe, in ihren Klassen das Entspannungsverfahren regelmässig einzusetzen. 

Die verschiedenen Datenquellen und eine Sichtung der Literatur ermöglicht, umsetztbare Vorschläge zuhanden der beiden Auftraggeberinnen vorzulegen.

Publikation: Formation, Ecole - Santé (Huesler 2010)

Monitoring

Das Monitoring hat zum Ziel bei Jugendlichen in verschiedenen Zentren - unter anderem in den Motivationssemestern (SeMo) des Staatssekretariates für Wirtschaft (seco) - vorhandene Risiken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu entdecken und damit den Einsatz angemessener Interventionen zu ermöglichen.

Das seco hat in seinem Bericht zu den Motivationssemestern (SeMo) 1999 - 2002 den Blick auf die Gruppe von Jugendlichen gelenkt, die das SeMo abbrechen oder sich nach dem Abschluss des SeMo in einem weiteren Übergangsprogramm befinden. Eine mögliche Hypothese geht davon aus, dass diese Gruppe nicht einfach wegen mangelnder Lehrstellenangeboten versagt, sondern in Folge mangelnder persönlicher Ressourcen und einer schlechten sozialen Ausgangslage. Soll diesen Jugendlichen geholfen werden, müssen psychosoziale Probleme berücksichtig werden.

Kohorte

Die Kohortenstudie von supra-f  ist eine Langzeitstudie die sich von 2005 bis 2008 erstreckte. Es handelt sich um eine Folgestudie von supra-f, das zwischen 1999 und 2004 stattfand. Das Ziel der Kohortenstudie war die Datenerhebung bei den supra-f Jugendlichen zu verlängern, um deren weiteren Verlauf in Bezug auf ihre Integration, Befindlichkeit und den Substanzkonsum verfolgen zu können. Damit kann mehr über die langfristigen Auswirkungen von der sekundären Prävention in den supra-f Zentren ausgesagt werden. 

supra-f war ein Forschugnsprojekt in der Substanzkonsumprävention und der Gesundheitsförderung für in der Schweiz lebende Jugendliche mit erhöhtem Risiko. Nach den drei Messzeitpunkten in supra-f wurden für die Kohortenstudie zwei weitere Befragungswellen durchgeführt. Die erste von 2005 bis Ende 2006, die zweite von 2007 bis 2008.

supra-f

supra-f steht für ein Suchtpräventionsforschungsprogramm, das in 7 Kantonen in der Schweiz lokale Präventionsprogramme für gefährdete Jugendliche anbietet. Gefährdung wir nicht primär als Suchtgefährdung verstanden, sondern als Gefährdung für eine soziale Desintegration in schulischer und beruflicher Hinsicht.

Die Evaluation der Programme zeigt, dass vorab Jugendliche, die den schulischen Abschluss bzw. den beruflichen Einstieg zu verpassen drohen, positive Veränderungen im psychischen Befinden, beim externalen Verhalten und teilweise beim Substanzkonsum aufweisen.

Hintergrund
Mit supra-f hat das BAG Ende der 90er Jahre erstmals nachhaltig in die bislang vernachlässigte Sekundärprävention investiert. Ziel war, für das Segment der gefährdeten Jugendlichen gemeindenahe Frühinterventionsansätze zu evaluieren. Den beteiligten Kantonen und Gemeinden wurde ein verbindlicher Rahmen vorgegeben, der aber doch eine recht hohe Differenzierung der Einzelprojekte zuliess. 

Ziel 
Der Auftrag an die supra-f Forschung war, die Machbarkeit und Wirksamkeit der Interventionen zu prüfen. Dahinter steht das Anliegen, bei Entscheidungsträgern und Praktikern die Sensibilisierung für Fragen nach der Wirksamkeit zu fördern.

Der Schlussbericht von supra-f wurde im Sommer 2006 publiziert.